FAQ

Antworten auf häufig gestellte Fragen (Frequently Asked Questions)

 

Anfangen mit Einzelfallhilfe:

Einzelfallhelfer_innen für den Erwachsenenbereich werden durch die Sozialpsychiatrischen Dienste (SpD) der Gesundheitsämter den Klient_innen zugeordnet.

Will man als Einzelfallhelfer_in arbeiten, so muss man sich also schriftlich bei den einzelnen SpDs bewerben. Die Adressen der Sozialpsychiatrischen Dienste der Stadtbezirke in Berlin sind leicht mit einer Suchmaschine im Internet zu finden.

Ob und wann man Klient_innen vorgeschlagen bekommt, hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab, z.B. Qualifikation der Fachkraft, aktueller Helfer_innen-Bedarf oder Kapazität von Gesundheits- und Sozialämtern hinsichtlich der Antragsbearbeitung.

Für den Erfolg einer Bewerbung gibt es kein Patentrezept. Sinnvoll kann es manchmal sein, sich hin und wieder persönlich nach Aufträgen zu erkundigen. Die eigene Bewerbung sollte klar darlegen, warum man selbst überzeugt ist, mit Menschen arbeiten zu wollen, die von einer geistigen, seelischen oder psychischen Erkrankung oder Behinderung bzw. Suchterkrankung betroffen oder bedroht sind. Selbstverständlich sollten alle Zeugnisse oder Beurteilungen, die Aufschluss über bisherige Ausbildungen und Berufserfahrungen geben, in der Bewerbung enthalten sein.

 

Betriebskosten:

Dies sind alle betrieblichen Kosten, wie z.B.: Krankenversicherung, Krankenversicherungs-Rückdeckung, Pflegeversicherung, Haftpflichtversicherung, evtl. Förder-Rente (Rürup-), freiwillige staatl. Rente, z.T. betriebl. genutztes Festnetz/Internet/Mobilfunk, für z.T. betriebl. genutztes Auto: Versicherung/Raten Tank-/Reparaturkosten etc., Kontoführung u.a.m..

Wenn man vom Gesamtumsatz, d.h. dem Geld, was auf dem Konto ankommt, die Betriebskosten abzieht, bleibt der Gewinn übrig. Auf diesen muss Einkommensteuer bezahlt werden. Mehr zum Thema Steuern ist weiter unten zu finden.

Entlohnung:

Rundschreiben I Nr. 9/2009 über Gewährung von Einzelfallhilfe im Rahmen der Eingliederungshilfe nach dem 6. Kapitel SGB XII außerhalb von Diensten nach dem 10. Kapitel SGB XII (https://www.berlin.de/sen/soziales/berliner-sozialrecht/land/rdschr/2009_09.html)

Kleinunternehmerregelung

Unternehmer*innen, die nur geringe Umsätze tätigen, werden als Kleinunternehmer*innen eingestuft. Als Kleinunternehmer*innen gelten Personen,

  • deren Umsatz im vorangegangenen Jahr einen Betrag von 17.500 € nicht überstiegen hat und
  • deren Umsatz im laufenden Jahr 50.000 € voraussichtlich nicht übersteigen wird.
  • Beide dieser Voraussetzungen müssen gegeben sein.

Bei Beginn einer unternehmerischen Tätigkeit ist der voraussichtliche Umsatz im Kalenderjahr zu schätzen. Übersteigt dieser voraussichtlich nicht die Umsatzgrenze von 17.500 €, gilt die Unternehmer*in als Kleinunternehmer*in.

Kommt die Kleinunternehmerregelung zur Anwendung, muss die Unternehmer*in auf ihre Umsätze keine Umsatzsteuer zahlen. Sie kann allerdings auch zur Umsatzsteuer optieren. In diesem Fall hat sie die Möglichkeit, auch die Vorsteuer gegenüber dem Finanzamt geltend zu machen. Empfehlenswert ist die freiwillige Umsatzsteuerveranlagung, da nur so der Vorsteuerabzug möglich wird. Für Kleinunternehmer*innen entfällt neben dem Vorsteuerabzug der Ausweis der Umsatzsteuer sowie der Umsatzsteuer-Identifikationsnnummen auf erstellten Rechnungen.

Werden die Umsatzgrenzen überschritten, muss der Unternehmer auf seine Umsätze Umsatzsteuer erheben. Optiert eine Kleinunternehmerin für die Umsatzsteuer, muss sie dies gegenüber dem Finanzamt erklären. Ihre Entscheidung bindet sie für fünf Jahre. Rechtsprechung: BFH 16.10.1998 – V B 56/98 Norm: § 19 UStG

Zum Thema Steuern unten mehr!

Krankenversicherung:

Die Freiberuflichkeit bringt es mit sich, dass viele Fachkräfte selbst eine Krankenversicherung für sich abschließen müssen. Dies entfällt, wenn neben der Einzelfallhilfe noch ein festes Arbeitsverhältnis besteht, aus dem die Fachkraft eine KV mitbringt. Krankenversicherungen unterscheiden sich vielfältig nach Kosten und Leistungen. Private Kassen haben oft den Vorteil, dass man mit niedrigeren Beiträgen einsteigen kann (um 150€/Monat, Stand 03/2009). Die Leistungen entsprechen bei diesen Tarifen in etwa denen der gesetzlichen Krankenkassen. Zu beachten ist jedoch hierbei, dass die Beiträge der Privaten kontinuierlich mit dem Alter ansteigen.

Wer solcherlei Unwägbarkeiten im Anstieg der Beitragszahlungen begrenzen möchte, hat die Chance, bei den gesetzlichen Krankenkassen die Tarife für Freiberufler und Selbständige zu nutzen.

Netzwerk Einzelfallhilfe:

Das Netzwerk Einzelfallhilfe ist ein informeller Verbund zum Austausch von Nachrichten, die die Einzelfallhilfe nach § 53, 54 ff. SGB XII, also vorrangig mit erwachsenen Klient_innen, betreffen. Es besteht in erster Linie aus dem E-Mail-Postfach netzwerk.efh@gmail.com und einem Forum. Das Forum ist die  Mailingliste netzwerk-efh@mlists.in-berlin.de. Die Internetpräsenz ist erreichbar unter www.netzwerk-efh.de.

Rechtliches: Grundlagen der Anspruchsberechtigung von Hilfen

Sozialgesetzbuch Neuntes Buch Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen in der Fassung des Gesetzes zur Förderung der Ausbildung und Beschäftigung schwerbehinderter Menschen vom 23. April 2004 (BGBl. I S. 606)

§ 2 Behinderung
(1) Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist.

I. Eingliederungshilfe – Verordnung (Inkrafttreten: 1.Juli 2001) hier: Abschnitt I Personenkreis

§ 1 Körperlich wesentlich behinderte Menschen durch körperliche Gebrechen wesentlich in Ihrer Teilhabefähigkeit eingeschränkt im Sinne des § 39 Abs.1 Satz1 des Gesetzes sind. 1. Personen, deren Bewegungsfähigkeit durch eine Beeinträchtigung des Stütz- oder Bewegungssystems in erheblichem Umfange eingeschränkt ist.

2. Personen mit erheblichen Spaltbildungen des Gesichts oder des Rumpfes oder mit abstoßend wirkenden Entstellungen vor allem des Gesichts.

3. Personen, deren körperliches Leistungsvermögen infolge Erkrankung, Schädigung oder Fehlfunktion eines inneren Organs oder der Haut in erheblichem Umfange eingeschränkt ist.

4. Blinde oder solche Sehbehinderte, bei denen mit Gläserkorrektion ohne besondere optische Hilfsmittel.
a) auf dem besseren Auge oder beidäugigim Nahbereich bei einem Abstand von mindestens 30 cm oder im Fernbereich eine Sehschärfe von nicht mehr als 0,3 besteht oder b) durch Buchstabe a) nicht erfasste Störungen der Sehfunktion von entsprechendem Schweregrad vorliegen

5. Personen, die gehörlos sind oder denen eine sprachliche Verständigung über das Gehör nur mit Hörhilfen möglich ist

6. Personen, die nicht sprechen können, Seelentaube und Hörstumme, Personen mit erheblichen Stimmstörungen sowie Personen, die stark stammeln, stark stottern oder deren Sprache stark unartikuliert ist

§ 2 Geistig wesentlich behinderte Menschen
Geistig wesentlich behindert im Sinne des § 39 Abs.1 Satz1 des Gesetzes sind Personen, die infolge einer Schwäche Ihrer geistigen Kräfte in erheblichem Umfange in Ihrer Fähigkeit zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft eingeschränkt sind.

§ 3 Seelisch wesentlich behinderte Menschen
Seelische Störungen, die eine wesentliche Einschränkung der Teilhabefähigkeit im Sinne des § 39 Abs.1 Satz1 des Gesetzes zur Folge haben können, sind

1. körperlich nicht begründbare Psychosen

2. seelische Störungen als Folge von Krankheiten oder Verletzungen des Gehirns, von Anfallsleiden oder von anderen Krankheiten oder körperlichen Beeinträchtigungen

3. Suchtkrankheiten

4. Neurosen und Persönlichkeitsstörungen

Rente:

Freiberufliche Einzelfallhelfer müssen nicht in die staatl. Rentenversicherung einzahlen. Wer nichts einzahlt hat aber auch im Alter nur das Minimum. Der Freiwillige Mindestsatz liegt derzeit um die 80€ (Stand 03/2009).

Sprachregelung:

In der Sozialpädagogik wird nicht mehr von geistig behinderten Menschen oder Süchtigen oder Obdachlosen gesprochen, sondern von Menschen mit einer geistigen Beeinträchtigung, mit einer Abhängigkeitserkrankung und ohne festen Wohnsitz. Der Mensch wird immer zuerst genannt, danach seine Handycap. Behindert ist man nicht. Behindert wird man – Hauptsächlich durch die Umwelt, bzw. gesellschaftliche Konventionen und Hegemonien. Sucht als Begriff für Abhängigkeitserkrankungen ist auch nicht mehr gebräuchlich, da der Begriff „Sucht“ sich vom Wort „Dahinsiechen“ ableitet, ein Prozeß, welcher sich der wörtlichen Bedeutung nach nicht aufhalten, sondern höchstens verlangsamen lassen kann.

Steuern:

Die Frage der Steuern hat zwei Seiten. Hinsichtlich der Einkommensteuer bestehen keine Unklarheiten. Die muss gezahlt werden, je nachdem wieviel Gewinn gemacht wird.

Ein Feld der Unklarheit ist bislang die Umsatzsteuer, da es im UST-Gesetz keine direkte Befreiung für unsere Tätigkeit gibt. Viel spricht aber dafür, dass die ambulanten Leistungen der Eingliederungshilfe gemäß §§ 53, 54 SGB XII, nach § 4 Nr. 16 e UStG umsatzsteuerfrei sind. Hier finden Sie dazu Stellungnahmen zweier sozialpsychiatrischer Dienste. Es ist im Zweifel das Beste, sich solcherart Bescheinigungen individuell bei den Sozialpsychiatrischen Diensten zu erbitten.

Als freiberufliche Fachkraft hat man also Möglichkeiten, das Risiko, Umsatzsteuer zahlen zu müssen, gering zu halten.

Zu überlegen wäre, sich beim Finanzamt

  1. als Kleinunternehmer*in anzumelden. Die Kleinunternehmerregelung entbindet die Fachkraft im evtl. Zweifelsfall von der Umsatzsteuerpflicht bis zum Umsatz (Erlös) von 17.500 €/Jahr, d.h. ca. 1458 €/Monat.
  2. mit der Tätigkeitsbeschreibung „Sozialtherapeutische Krisenberatung“ anzumelden. Einzelfallhilfe fällt sicher unter diesen Begriff. Sie wird mit dieser Beschreibung dann quasi zugeordnet zu den „Krankheiten feststellenden und/oder lindernden und/oder heilenden Tätigkeiten“. Diese sind von der Umsatzsteuer befreit.

Alle Rechtsauskünfte auf dieser Internetseite sind in keiner Weise verbindlich!

Eigenes Überprüfen ist also immer selbstverständlich!

Verbesserungsvorschläge, „tote Links“, Ergänzungen und Korrekturen werden dankbar empfangen unter: <netzwerk.efh@gmail.com>.

 

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